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Resolute, Adventurer & Genius – Regelleichter Pulp in 36 Seiten

2. Februar 2011
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RAG ist ein auf dem Wyrm System aufsetzendes Regelsystem von Stargazer Games, dass sich bemüht, das Spiel in der Pulp-Ära (grob gesagt die erste Hälfte des 20. Jhdt) zu ermöglichen und zu unterstützen. Mir ist die kostenlos bei RPGNow oder DrivethruRPG erhältliche PDF letzte Woche in die Hände gefallen. Ich habs selbst gar nicht so sehr mit Pulp, hab aber trotzdem mal einen Blick riskiert, und ohne jetzt groß getestet zu haben, gefiel mir der Ansatz des Systems eigentlich ganz gut.

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RAG-Charaktere definieren sich über 6 Werte:

  • die drei im Titel genannten Hauptattribute Resolute (ein Maß für die eher körperlichen Attribute), Adventurer (was das Geschick, die Handlungsschnelligkeit, aber auch das Charisma eines Charakters abbildet) und Genius (die geistigen Fähigkeiten eines Charakters
  • Hit Points (Trefferpunkte wie gehabt, abhängig vom besten Attribut)
  • Luck Points (vom Spieler einsetzbare Punkte, mit denen er Einfluss auf den Ausgang bestimmter Ereignisse im Spiel nehmen kann, abhängig vom schlechtesten Attribut)
  • Defense (von den Attributen abgeleitete „Rüstungsklasse“)
  • Initiative (ebenfalls von den Attributen abgeleitet)

Dieser Teil der Charaktererschaffung ist also in Windeseile ausgeführt. Dazu kommen noch 3 Skills und 1 Talent, die das Können des Charakters regeltechnisch ausdrücken. Die Skills stehen dabei für erlernte Fähigkeiten des Charakters (darunter auch die Ausbildung in den verschiedenen Kampfarten), während die Talente daraus erwachsende besondere Fähigkeiten darstellen. Die Talente selbst sind benutzerfreundlich in verschiedene Kategorien eingeteilt, die es dem Spieler ermöglichen, die Suche nach dem geeigneten Talent von vorneherein einzugrenzen. Außerdem erhält jeder Spieler ein Startvermögen, um sich mit der gewünschten Ausrüstung einzudecken.

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Die Spielmechanik selbst ist auch schnell beschrieben. Um eine bestimmte Handlung durchzuführen, würfelt der Spieler einen W6 und addiert das entsprechende Hauptattribut und gegebenenfalls noch über Skills und Talents erworbene Boni obendrauf. Kämpfe sind rundenbasiert, Angriffswürfe werden wie Fertigkeitsproben mit dem entsprechenden Bezugsattribut gegen die Defense des Gegners durchgeführt. Es gibt keine besonderen Spezialangriffe, was einen schnellen Kampfablauf verspricht.

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Die Glückspunkte können sowohl für Fertigkeitsproben als auch für Angriffswürfe eingesetzt werden (um tödlichen Angriffen auszuweichen, einen Wurf zu wiederholen oder sich einen Bonus zu verschaffen). Darüber hinaus ermöglichen sie es den Spielern aber auch, ein gewisses Maß an narrativer Kontrolle auszuüben und Details des Settings zu verändern.

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Charaktere können dadurch verbessert werden, dass die im Laufe ihrer Abenteurerkarriere erworbenen Erfahrungspunkte zum Kauf bestimmter Perks verwendet werden (von zusätzlichen Trefferpunkten, Verbesserung des Rangs in einer Fertigkeit, Kauf neuer Talente bis hin zur Attributssteigerung).

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Im Prinzip ist damit der grundlegende Regelteil bereits erklärt. Das Dokument fügt noch eine Liste mit Ausrüstungsgegenständen an und macht einen Regelvorschlag für die Auflösung von Verfolgungsjagden und die Darstellung von Minions (dem Fußvolk) und Henchmen (die Unteranführer) im Dienste insbesondere der Schurken. Für letztere gibt es ein paar Spielwerte in Form von Archetypen (der verrückte Wissenschaftler, oder auch die Femme Fatale). Spielwerte für verschiedene Tiere, aber auch übernatürliche Gegner sowie eine kurze Liste der Abhandlung von Umweltgefahren (Erdbeben, Lawinen etc) runden diesen Teil des Dokuments ab. Noch ein paar Anmerkungen zu den verschiedenen Phasen der Pulp-Ära und den dafür geeigneten Abenteuern, und schon sind wir am Ende angelangt.

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Fazit: Ich verzichte auf eine Bewertung des Systems, da ich es nur einmal durchgelesen habe. Ich glaube sagen zu können, dass es sich nicht für Spieler eignet, die möglichst alles in Regeln ausgedrückt sehen wollen. Aufgrund seiner Simplizität eignet es sich aber sicherlich für One-Shots zwischendurch und während ich nicht ganz sicher bin, ob das System für länger angelegte Kampagnen nicht etwas zu simpel ist, scheint es leicht erweiterbar zu sein, so dass ich dieses Problemchen für beherrschbar halte.

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Jedenfalls hat es mich nicht abgeschreckt, sondern eher neugierig darauf gemacht, mir auch die Vorlage des Systems, das Fantasy-Äquivalent Warriors, Rogues and Mages (der Name des Wyrm Systems stellt eine Verballhornung dieses Namens dar) mal anzuschauen. Auch das kann kostenlos erworben werden, dafür gibt es sogar (ebenfalls kostenloses) Zusatzmaterial, und das klingt (zumindest für mich) durchaus interessant.

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Lobend erwähnen sollte man noch die Gestaltung des Dokuments: Klares Layout, schöne Farbgestaltung des Hintergrunds sowie das Thema hervorragend unterstützende Schwarz-Weißillustrationen, die durchaus zu gefallen wissen lassen RAG aus der Menge kostenloser Produkte herausragen. Dass das Angebot kostenlos ist, scheint zur Firmenphilosophie zu gehören, man kann also am Äußeren ablesen, wieviel Liebe da mit eingeflossen ist. Und alleine das ist schon der Erwähnung wert, auch wenn man da wohl etwas von der Großzügigkeit der Künstler profitiert, mit deren Erlaubnis das Artwork verwendet wurde.

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8 Kommentare leave one →
  1. 2. Februar 2011 13:24

    Wie immer kann der Beitrag hier oder im entsprechenden Faden im Forum des RSP-Blogs diskutiert werden.

  2. 2. Februar 2011 13:58

    mmh, bei so simplen Systemen frage ich mich immer, wo da überhaupt die Nachfrage sein soll. Entweder saugt man sich sowas in 3-4 Stunden aus den Fingern oder nimmt eines der Myriaden von, zum Teil etablierten, Alternativen: Cinematic Unisys, Savage Worlds, meinetwegen Hex oder wenn es gratis sein muss Liquid.

    Ich bin ein ziemlicher Pulpfan (Pulp im Mainstream Sinne) und finde es gut, wenn mehr Material dazu rauskommt, ich bin sogar der Meinung, daß sowas noch im kommerziellen Bereich fehlt (mir ist nun nur Hex bekannt), aber das Spiel wird sicher in meiner Mottenkiste von Gratis Simpelsystemen verstauben.

  3. 3. Februar 2011 00:21

    Da ist die Vorstellung ja fast länger als das System… Klingt nicht uninteressant!!!

  4. 3. Februar 2011 01:54

    Ich sollte dringend ins Bett gehen, ich krieg schon ganz komische Ideen. Immerhin gibt es mit Eberron ja ein D&D-Setting, dass sich Pulp (wenn auch als Pulp Noir) auf die Fahne geschrieben hat. Jetzt frag ich mich prompt, ob man das(RAG) nicht nehmen könnte, um damit ein Eberron-Abenteuer mit Charakteren unterhalb der „Helden“-Grenze zu spielen.

  5. 3. Februar 2011 09:54

    @wormysqueue: Vielen Dank für die Rezension. Es freut mich, dass dir WR&M und RAG so gut gefallen haben!
    Zum Thema Eberron: ich denke, das sollte durchaus gehen, vielleicht kannst du eines der alternativen Magiesysteme in „From the Imperial Library“ für RAG adaptieren.

    @Falk: auch solch einfache Systeme wie WR&M und RAG haben durchaus Existenzberechtigung. Und wie z.B. WR&M eindrucksvoll bewiesen hat, gibt es auch durchaus reges Interesse. Über 4500 Downloads der Grundregeln seit August 2010 sind kein Pappenstiel. Natürlich ist kein System grundsätzlich für jeden interessant.

  6. 3. Februar 2011 13:30

    Gern geschehen. (Fast hätt ich mich jetzt komplett zum Narren gemacht und dir zu deinem tollen Deutsch gratuliert, zum Glück hab ich vorher dein Profil gecheckt. :D)

    Und danke für den Hinweis, das werd ich mir mal ansehen. Mit dem Gedanken, den Pulp-Charakter Eberrons auch mal wirklich im Spiel umzusetzen, trag ich mich, seitdem ich Parker DeWolfs „Left Hand of Death“ gelesen habe, eine in meinen Augen sehr gelungene Verbeugung vor Hammets „Maltese Falcon“. Aber was im Roman ganz gut funktioniert, klappt mit D&D halt nur sehr eingeschränkt, wenn man sich nicht freiwillig auf den sehr niedrigstufigen Bereich beschränkt. RAG könnte da für mich eine Lücke füllen.

  7. 3. Februar 2011 13:49

    @wormysqueue Ich hatte schon darüber nachgedacht Savage Worlds für eine Eberron-Kampagne zu verwenden. Aber ich denke, mit RAG plus ein paar Ergänzungen sollte es auch gehen. Übrigens, schau doch mal im Blue Hex Forum auf http://www.rpgtabletalk.com vorbei. Dort sind auch Andrew und ich vertreten und wir können dort gemeinsam über RAG und andere Wyrm-Projekte fachsimpeln. Vielleicht hat Andrew auch ein paar Ideen für die Eberron-Umsetzung.

Trackbacks

  1. German-language RAG Review | Blue Hex

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