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Der zweite Drache

6. Mai 2011
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Dragon #2

Dragon Magazine #2 (August 1976)

Der zweite Drache zeigt sich vom Titelbild her schon mal deutlich professioneller. Das Bild (ein Comic-Conan-Clone vor einem blätterlosen Baumskelett) wirkt gekonnter, der Text ist vor dem Hintergrund deutlich lesbarer. Das Innere ist n ach wie vor in Schwarz-Weiß gehalten, allerdings mischen sich schon die ersten Farbtöne in ein paar der Illustrationen.

Los geht es mit „Monkish Combat in the Arena of Promotion“, einem Artikel von John M. Seaton, der sich ein Kampfsystem ausgedacht hat, mit dem sich Mönche ihren nächsten Rang (Stufenaufstieg) durch einen Sieg über ihren „Meister“ (einem Mönch höherer Stufe) verdienen können. Dabei schreiben die beiden Kontrahenten jeweils eine Kombination aus 6 Schlägen, Tritten oder Blöcken (plus ein paar Spezialmanöver) auf, die im Vergleich dann den erlittenen Schaden für jeden Kombatanten ergeben. Der Kampf endet mit Aufgabe (schlimmstenfalls mit dem Tod) eines der Kämpfer, der Sieger wird zum neuen Meister (im Falle des Spielers bedeutet das also Stufenaufstieg).

Modernes D&D hat die Idee der Ausbildung ja komplett abgeschafft (bzw. als Abstraktum im Stufenaufstieg versteckt). Persönlich mochte ich es immer sehr gerne, wenn so etwas tatsächlich auch ausgespielt wird. Das hier vorgestellte System könnte auch heute noch problemlos eingesetzt werden, weil es ganz eigene Regeln verwendet, ist aber relativ zeitaufwändig und wäre daher eher etwas für ein kurzes Tête-A-Tête zwischen den eigentlichen Spielrunden, sofern die anderen Spieler nicht gerne bei so etwas zuschauen. Zumal der Spieler ja auch verlieren kann, was eine Wiederholung erforderlich machte.

Es folgt der zweite Teil von The Gnome Cache von Garrison Ernst, indem der junge Dunstan auf eine Bands von Strauchdieben trifft, die ihm allerdings recht erfolgreich weismachen, sie seien ehrenhafte Leute, die um ihren Besitz betrogen, nun als eine Art Robin Hood ihr Leben fristen.

Direkt im Anschluss wird die „Suche nach der Verbotenen Kammer“ fortgesetzt und ihrem Ende zugeführt. Jake Jaquet schwankt immer noch zwischen Humor und Albernheit, und wie schon im ersten Teil lässt sich leicht erkennen, dass er mit dem Werk eines gewissen JRR Tolkien nicht ganz unvertraut ist.

In der Reihe „Hints for D&D Judges“ steuert Joe Fisher dieses Mal ein paar Tipps zur Ausgestaltung von Dungeons bei, geordnet nach den Themen Eingänge, Fallen, Schätze, Karten und Monster. Der Artikel schafft es auf dem gegebenen Raum natürlich nur, diese Themen kurz anzusprechen, dennoch findet sich darin einiges an Ideen, mit denen man auch heute noch das eigene Spiel bereichern könnte (und entsprechend auch in Spielleitertips der Moderne immer mal wieder auftaucht).

Zeit für einen kleinen Geekgasm: Comic-Gigant Gardner F. Fox (etwa 1500 Comics für DC) schreibt Sword & Sorcery für den Dragon. Mit „Shadow of A Demon“ erscheint die erste aus einer Reihe von Kurzgeschichten um den Krieger Niall of the Far Travels. Für Fans des Genre nahezu ein Muss, dabei oft übersehen sind die Geschichten wirklich gut geschrieben und auch heute noch lesenswert. Diese erste erzählt Nialls Begegnung mit einer jungen Frau, die ihn in einen Konflikt mit einem grausamen Zauberer hineinzieht und zu einer Begegnung mit einer Göttin führt, die sein weiteres Schicksal entscheidend mitbestimmen wird.

Ein recht interessanter Artikel über Qeutzacoatl, „The Feathered Serpent“ beschreibt kurz die Entstehung und Verbreitung seiner Religion und nimmt in aller Kürze Bezug auf die Eroberung der Aztekenhauptstadt Tenochtitlan durch die Conquistadores unter Cortes. Am Schluss glaubt man zwar bei von Däniken gelandet zu sein, wenn auf einmal von dem Gott als Raumfahrer von einem anderen Planeten spekuliert wird, aber man kann ja einfach zwei Abschnitte vor Schluss aufhören zu lesen.

Das Monster dieser Ausgabe der Creature Features ist der Remorhaz, der kälteliebende Feuerwurm, der es bis in aktuelle Editionen des Spiels hineingeschafft hat. Illustriert von Erol Otus, der damit sein Debut gab.

John Pickens führt den Alchimisten als neue Charakterklasse ein. Dieser dupliziert mit seinen Tränken Zaubereffekte und kennt sich außerdem hervorragend mit Giften aus.

Vom selben Autor gibt es noch eine Regelvariante für Waffenschaden (Schadenserhöhung durch waffenspezifische Expertise) und die Nutzung zweier Waffen in Kombination.

Fazit: Eine deutliche Steigerung gegenüber der ersten Ausgabe. Schöneres Titelbild, bessere Fiktion und interessantere Inhalte machen den zweiten Drachen zu einem kleinen frühen Höhepunkt. Das sind schon ein paar Sachen drin, bei denen ich drüber nachdenke, ob ich die nicht auch gerne in meinem Spiel drin hätte.

3 Kommentare leave one →
  1. 6. Mai 2011 12:03

    Sehr schön. Als Nichtbesitzer der alten Ausgaben finde ich die Serie sehr interessant. Wie wäre es, wenn Du zu jeder Besprechung einen Scan oder ein Photo des Covers einstellen würdest?

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