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[Spielleitung]Zug, Zug, Zug, die Eisenbahn …

30. Mai 2011
GM

Ist schon eine Weile her, aber ich hatte ganz zu Beginn mal einen Beitrag verfasst, aus dem ich noch ein Versprechen für eine Fortsetzung schuldig geblieben bin. Bevor ich mich dem eigentlichen Thema zuwende, muss ich aber noch eine kleine Vorbemerkung zum Thema „Railroading“ machen, den ich in diesem Beitrag verwendet habe.

Kurz gesagt: Der Begriff stinkt.

Und das hat mehrere Gründe, ich nenne die (aus meiner Sicht) beiden Hauptgründe: Zum einen, dass ich in vielen Diskussionen gelernt habe, das fast jeder Spieler darunter etwas anderes versteht, Missverständnisse und daraus resultierende Themenabweichungen sind daher fast vorprogrammiert. Zum anderen, dass eine recht große Gruppe von Leuten darunter prinzipiell etwas Negatives verstehen möchte, was diesen Begriff zu einem hervorragend als Kampfbegriff geeigneten Terminus technicus und in Zusammenhang mit dem ersten Punkt eine Diskussion über Railroading zu einem Lieblingsspielplatz derer macht, die gerne provozieren und rumstänkern, ohne am Thema ernsthaft interessiert zu sein.

Ich habe aus naheliegenden Gründen etwas gegen die Verwendung von Kampfbegriffen, wenn es um ein Hobby geht, bei dem mehrere Personen gemeinsam miteinander Spass haben möchten, es aber unzählige Wege gibt, wie man Spass definieren, erzeugen und erreichen kann. Ich mag auch keine unscharfen Definitionen, die von unterschiedlichen Personen für ganz unterschiedliche Dinge verwendet werden können. Und insbesondere verabscheue ich die Kombination „Unscharfe Kampfbegriffe“.

Aus diesem Grunde werde ich im weiteren Verlauf der Diskussion auf die Benutzung des Begriffs „Railroading“ verzichten und stattdessen ganz neutral von Struktur bzw. Strukturierung des Spiels und seiner Komponenten sprechen. Damit möchte ich vor allem die mit dem Begriff verbundenen Reflexe vermeiden. Was ich durchaus nicht damit erreichen möchte, ist es allerdings, Dinge und Verhaltensweisen mit Konfliktpotential zu beschönigen. Ich werde nur auf das Schlagwort verzichten, weil ich keine Lust mehr auf die daraus folgende Art von Diskussion habe. Auch wenn das an der ein oder anderen Stelle die Beschreibung von Sachverhalten etwas umständlicher macht.

Und nächstes Mal wende ich mich dann endlich dem Thema „Flexibilität“ zu.

Frohes Spielen,
WQ

3 Kommentare leave one →
  1. 1. Juni 2011 07:31

    Der Begriff „Railroading“ ist emotional stark aufgeladen, vielleicht stärker, als jeder andere in der Theoriedebatte. Er wird von vielen Leuten (ich selbst zähle mich dazu) sehr negativ benutzt.

    Dass es dann oft so heftig abgeht, ist sicherlich im „historischen Kontext“ zu verstehe – als Gegenreaktion. Schließlich sind die, die des Railroads fröhnen, seit Jahren sehr gut darin, andere Spieler als Powergamer etc. pp. zu bezeichnen. Railroad ist mMn vor allem ein Kampfbegriff, der sich sehr offensiv gegen die vorherrschende Spielkultur und deren vermeintlichen Überlegenheitsdünkel wendet.

    Oh, und schon sind wir wieder mitten in der Debatte und du hast natürlich damit recht: Will man sich des Themas neutral nähern, ist es ganz gut, auf bestimmte Begriffe zu verzichten.

    Ich bin auf deine weiteren Artikel gespannt!

    • 1. Juni 2011 10:10

      ja, Powergamer ist auch so ein oft als Kampfbegriff missbrauchter Terminus. Die einen verstehen darunter effizientes Spiel, die anderen Optimierung bis hin zum Min/Maxing oder gar zum Munchkinismus. Von so tollen Wortschöpfungen wie Erzählonkel oder Hartwurst ganz zu schweigen. Die wurden ja schon explizit erfunden, um andere Personen/Spielweisen abzuwerten.

      und nur um anzudeuten, wie leicht auch dein sehr sachlicher Post mit Konfliktpotential aufgeladen werden könnte: Ich seh den Überlegenheitsdünkel ehrlich gesagt eher bei den kategorischen Gegnern des Railroadings. Jetzt lass uns das Gespräch in einem Forum führen und einen von uns vielleicht noch eine unbedachte, spitze Bemerkung anfügen (das wäre dann wohl ich^^), und schon gehts los.

      Ich vermute allerdings fast, dass wir unter dem Begriff „vorherrschende Spielkultur“ unterschiedliche Gruppen verstehen. Ums mal beim Namen zu nennen: Viele dieser Gegenreaktionen richten sich ja gegen den vermeintlich von den DSA-Meistern propagierten Stil. Nun hab ich da wenig Einblick (ich hab zwar früher DSA gespielt, aber das war mit einer Gruppe, mit der ich damals quer Beet durch alle möglichen Systeme gereist bin, wir waren also systemgeprägt), und habs insbesondere mit D&D- und in geringerem Maße indie-Spielern zu tun. und da findet man Überlegenheitsdünkel en masse, und aus den Gruppen rekrutieren sich ja auch die Leute, die am lautesten gegen Railroading schreien.

      Ich bin da auch nicht so sehr viel besser, versuche allerdings anderen Spielweisen erst mal einen grundlegenden Respekt entgegenzubringen, weil ich nicht an die allumfassende Eine Wahrheit glaube. Da nervts halt ungemein, wenn dann jeder Ansatz eines konstruktiven Gesprächs dadurch sabotiert wird, wenn solche Begriffe als Schlagwort (meist von dritten) reingeschmissen werden, weil man unbedingt die eigene Verachtung für den anderen zum Ausdruck bringen will.

  2. 3. Juni 2011 10:51

    Hey Wormy,

    am Rande: Interessanterweise habe ich das Gefühl, dass manche Begriffe, die einmal negativ gemeint waren oder es noch sind, in eine Tugend umgemünzt werden können. Railroad habe ich durchaus schon in positivem Zusammenhang gehört. Wenn es um „Powergamer“ ging, habe ich selbst schon häufiger einmal die Frage in den Raum geworfen, was denn eigentlich an einem hohen Powerlevel so verwerflich sei, so das Spiel und die Charaktere auf diesem hohen Niveau ausgeglichen bleiben und alle am Spieltisch das wollen.

    Bezüglich des Konfliktpotenzials meines Posts: Klar, da hast du recht! Wenn ich von „Überlegenheitsdünkel“ schreibe, dann ist theoretisch schon der erste Schritt getan in Richtung eines handfest-lustvollen Streits😉. Allerdings hängt das nicht nur mit meiner Ausdrucksweise zusammen, sondern auch damit, das bei diesem Thema der kleinste Funke reicht, um das Pulverfass hoch zu jagen!
    Was die vorherrschende Spielkultur angeht, erst einmal ein kleiner Exkurs zu meiner rollenspielerischen Sozialisation. Ich bin in einem totalen DSA-Umfeld groß geworden und als ich angefangen habe, zu spielen, erreichten die 90er Jahre gerade ihren Höhepunkt. Großen Teilen meines Umfelds erschien allein der Gedanke, es gebe andere Arten zu spielen als auf Schienen und mit Würfelgedrehe, geradezu grotesk. Das hat sich später beim Larpen, wo naturgemäß auch viele P&P-Spieler herumrennen und in Stuttgart, wo ich heute lebe und wo die Szene meiner Meinung nach unbeeindruckt von neueren Diskussionen und ziemlich zersplittert vor sich hindümpelt, nicht grundlegend geändert. Zumindest in meiner Wahrnehmung. Typische Reaktion: „Was, der Meister muss sich bei euch auch an Regeln halten? Ihr seit ja gar keine richtigen Rollenspieler, legt ja gar keinen Wert auf Atmosphäre.“ *Nase rümpf*
    Durchaus einige Male so erlebt. Spaß beim spielen habe ich erst, seit ich selbst mit ein, zwei Freunden eine Rollenspielgruppe aufgebaut habe, wo man Dinge eben anders handhabt. Und ohne die Diskussionen im Internet würde ich heute wahrscheinlich auch nicht mehr spielen, weil mir da erst aufgegangen ist, dass es was anderes gibt, als Kiesow-Style. Seitdem habe ich wieder mehr Lust auf das Hobby.

    Dieser Werdegang impliziert, dass ich arrogante Indie-Spieler und megaharte ARS-Typen quasi nur aus Forendebatten kenne. Meine real existierende Rollenspielwelt ist voller – und ja, das sind jetzt auch abwertende Bezeichnungen – Schummler und Dramatik-Über-Alles-Steller (mit Runden, in denen oft sogar noch nicht einmal der eigene Anspruch, nämlich die gute Atmosphäre, erfüllt wird).

    Das heißt natürlich nicht, dass das überall so ist oder auch nur dort, wo ich lebe. Es ist lediglich mein subjektiver Eindruck, der mit meinen persönlichen Erfahrungen zusammenhängt. Daher meine Definition von „vorherrschender Spielstil“. „In echt“ habe ich halt Menschen, die laut gegen Railroading schreihen, bisher selten erlebt.

    Grundsätzlich hast du natürlich absolut Recht: Mit Kampfbegriffen um sich werfen, egal aus welcher Ecke sie kommen, bringt für eine konstruktive Diskussion nicht viel. „Erzählonkel“ ist abwertend, sonst nichts. Allerdings müssen auch erst einmal Positionen definiert werden, um überhaupt eine Diskussion führen zu können. Diesbezüglich muss ich zugeben, dass mir Kampfbegriffe im Positiven und im Negativen („Das sind Hartwurstler!“) geholfen haben, meine eigene Position zu bestimmen, um überhaupt eine Debatte führen zu können.

    Wie abwertend Begrifflichkeiten verwendet werden müssen, sei natürlich dahin gestellt. Aber dass gewisse Begriffe eine Debatte befeuert haben, die meine persönlichen Spielstil und meine persönliche Sichtweise aufs Rollenspiel positiv beeinflusst haben – in dem Sinne, dass ich jetzt mehr Spaß daran habe -, würde ich schon sagen. Man muss mMn trennen zwischen: Ich werfe jetzt mal ein „Scheiß Schienen“ in den Raum, so wie ich das T-Shirt meiner Fußball-Mannschaft anziehe, um mich abzugrenzen. Und zwischen anderen Gelegenheiten, bei denen man dann nach dem Spiel zusammensitzt, ein Bier zusammen trinkt und zugibt, dass Lokomotive Leipzig doch ein paar Vorzüge hat.

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