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Einem Geschenkten Gaul … (1) – Chubby Monster Games : Waypoint #0

23. Juli 2012
donatedhorse

…schaut man zwar eigentlich nicht ins Maul, aber da die Gäule, um die es in dieser Kolumne gehen wird, Werbezwecken dienen, mache ich in Zukunft die ein oder andere Ausnahme. In der Hauptsache werde ich dabei Produkte besprechen, die mir über Drivethru auf der Festplatte gelandet sind, also der englischsprachigen Rollenspielwelt entstammen, aber falls mir mal was deutschsprachiges in die Hände fallen sollte, werde ich natürlich auch davor nicht zurückscheuen. Auch werde ich mich dabei nicht auf bestimmte Regelsysteme beschränken, was ich mit einer Warnung für Regelfreunde verbinden möchte: Letztere interessieren mich im Allgemeinen nämlich herzlich wenig, weswegen ich wohl nur in Ausnahmefällen qualitative Urteile über den Qualitätsgrad enthaltener Regeln abgeben werde.

 

Was für das erste Produkt in dieser Reihe allerdings keine Rolle spielt, da dieses völlig setting- und regelneutral gestaltet ist. Chubby Monster Games ist ein noch junges Unternehmen, dessen bekanntestes Mitglied wohl Kartenzeichner Matt Jackson sein dürfte. Ziel der Produktreihe „Waypoints“ soll es sein, dem interessierten Spielleiter Örtlichkeiten vorzustellen, die er leicht in seine eigene Spielwelt einbauen kann. „The Village of Cowfold“ ist das erste Produkt aus dieser Serie und kann kostenlos bei Drivethru heruntergeladen werden.

 

Das Produkt besteht in der Hauptsache aus vier Teilen: einer sehr einfach gehaltene Schwarz-Weiß-Karte im typischen Stile Matt Jacksons, auf der das Dörfchen sehr übersichtlich dargestellt wird, einer Ortsbeschreibung aus der Sicht eines durchziehenden Reisenden, einer ausführlichen Beschreibung wichtiger Örtlichkeiten und Bewohner Cowfolds sowie einer kleinen Auflistung möglicher Abenteuerideen, die ihren Ausgang in besagtem Örtchen nehmen können.

 

Die Karte hat wie angedeutet einen eher oldschooligen Charakter, was aber völlig ausreicht, um einen guten Ersteindruck des Dörfchens zu verschaffen. Schön ist, dass bei den späteren Ortsbeschreibungen der jeweils relevante Kartenausschnitt nochmals abgedruckt wird, weswegen die Autoren darauf verzichten können, die Karte mit Gebäudenummerierungen zu verschandeln, sie also auch als Handout für die Spieler geeignet ist.

 

Die Fluff-Beschreibung ist vielleicht ein wenig zu langatmig geraten, lässt sich aber gut lesen und vermittelt schön den Eindruck eines sehr friedlichen kleinen Örtchens, in dem alles völlig in Ordnung zu sein scheint (ein Eindruck, der ein kleines wenig trügt, wie der Leser noch erfahren soll).

 

Den Hauptteil bildet die Beschreibung der verschiedenen Gebäude und ihrer Bewohner. Bei letzteren hat man zwar den Eindruck, als wären sie auf einer Zufallstabelle ausgewürfelt worden und dann einfach in Reihenfolge aufgezählt worden (was einen wenig inspirierten Eindruck hinterlässt). Ansonsten ist die Beschreibung aber gut zu lesen und mit vielen kleinen Details angereichert, die die Örtlichkeiten und ihre Bewohner zum Leben erwecken. Teilweise werden noch Abschnitte angefügt, die unter dem Titel „Geheimnisse“ einen Blick hinter die doch sehr idyllische Fassade erlauben und andeuten, dass hier nicht alles so schön ist, wie es auf den ersten blick ausschaut.

 

Den Abschluss macht die Sektion „Story Hooks“, in der drei Abenteuerideen aufgelistet werden, die teilweise Bezug auf die genannten Geheimnisse nehmen, diese allerdings keinesfalls ausschöpfen. Das wirkt nicht perfekt durchorganisiert, zumal das für mich interessanteste Geheimnis hier gar nicht auftaucht; allerdings wird dieses im vorangegangenen Abschnitt ausführlich genug beschrieben, so dass es nicht unbedingt hier wieder aufgelistet werden muss.

 

 

Fazit: Alles in allem ein gelungener Erstling, der seinen Zweck durchaus erfüllt. Das Dörfchen ist detailliert genug beschrieben, dass man es direkt in die eigene Welt übernehmen kann, dabei aber generisch genug, dass man nicht allzuviel (wenn überhaupt) abfeilen muss, um es für die eigene Welt nutzbar zu machen. Und auch wenn es auf den ersten Blick wenig für Abenteurer interessant zu sein scheint, enthält es durchaus den ein oder anderen Anknüpfungspunkt, die man zu kurzen, möglicherweise sogar längeren Abenteuern ausbauen kann.

 

Und als kleines Schmankerl seien die enthaltenen Preislisten erwähnt, auf denen man auch so ausgefallene Dinge wie den Preis für einen Becher Milch oder verschiedene Brotsorten findet. Ich liebe so etwas, dafür gibt es von mir also einen kleinen Bonus.

 

Mein Interesse an der Reihe ist jedenfalls geweckt, und wenn sie in Zukunft tatsächlich noch, wie auf ihrer Homepage versprochen, noch die Spielwerte der enthaltenen Charaktere für verschiedene Regelsysteme (darunter auch Pathfinder) veröffentlichen, dürfte der Nutzwert sogar noch weiter steigen. Auf drivetrhu hab ich es jedenfalls mit 4 von 5 möglichen Punkten bewertet, was angesichts des „Preises“ durchaus angemessen erscheint. Für lau kann man sich hier wirklich nicht beschweren.

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