Skip to content

Pathways #19: Von untoten Vetteln, Schwarzen Hunden und Artefakten für Metagamer

5. Oktober 2012
Pathways #19

Für die Bewerbung PFRPG-relevanter Produkte aus dritter Hand gibt es inzwischen mehrere Anlaufstellen, darunter neben Paizos Produktblog vor allem Magazine wie den Kobold Quarterly oder auch das Fanmagazin Wayfinder. Dem Publisher Rite Publishing war das aber wohl noch nicht genug und so gründete man mit den Pathways ein weiteres Magazin, das neben der Bewerbung der eigenen Produkte auch die anderer Kleinverlage unternimmt. Das schöne (und nützliche) daran ist, dass diese Werbung auch in Form von kleineren Artikeln daher kommt, in der die Designer einfach durch die Vorstellung von Material neugierig zu machen versuchen. Selbst wer nicht viel mit Werbung am Hut hat, findet im Pathways also vielleicht Ideenfutter für das eigene Spiel, und da das Magazin kostenlos ist, muss man dafür nicht mehr als die Zeit zum Download aufwenden.

Aktuell ist gerade die Ausgabe 19 erschienen, die ich im Folgenden etwas genauer unter die Lupe nehmen will. Die insgesamt 52 Seiten der PDF teilen sich folgendermaßen auf:

1 Seite Titelbild

1 Seite Vorwort

1 Seite Inhaltsverzeichnis

1 Seite Rechtliches

13 ganzseitige Produktwerbungen

10 Seiten Rezensionen

7 Seiten Interview mit einem Designer

18 Seiten Regelmaterial

Etwas mehr als ein Drittel an reinem Material, 25% für reine Produktwerbung, das scheint mir für ein Werbeprodukt ein durchaus annehmbares Verhältnis zu sein. Aber damit genug zum Aufbau und rein in den Inhalt:

Im Vorwort macht sich Redakteur David Paul ein paar Gedanken über den Wert philosophischer Werke für das eigene Rollenspiel. Auf den ersten Blick wirkt es zwar befremdlich bei Plato, Hobbes und Co. nach Inspiration zu suchen. Aber dann fällt mir ein, dass das AD&D-Setting Planescape sich a durchaus mit tiefgründigen philosophischen Fragen beschäftigte. Und natürlich hat David nicht unrecht, dass nämlich die Utopien dieser Philosophen sich natürlich in fantastische Gesellschaftsformen übersetzen lassen, die etwas anderes sind als die typischen pseudohistorischen Gebilde, mit denen man normalerweise konfrontiert wird.

Steven D. Russel ist der Autor von Rite Publishings Book of Monster Templates (BoMT), einer Art geistigem Nachfolger von Green Ronins Advanced Bestiary. Nicht im BoMT enthalten allerdings ist das Witchfire Creature Template, dass Russell hier in den Pathways präsentiert. Besitzer von Paizos Bestiary 2 werden das Witchfire wiedererkennen, denn dort ist es als HG 9-Kreatur enthalten. Am Hintergrund ändert sich im Vergleich kaum etwas, das hier vorgestellte Template ermöglicht aber natürlich eine viel größere Vielfalt bei der Erstellung solcher untoter Ex-Vetteln.. Das illustriert schon das neben der vollständigen Template-Beschreibung abgedruckte Beispiels-Witchfire (HG 14), das auf der im Pathfinder Modul „The Harrowing“ (das auch übersetzt als „Das Spiel der Türme“ vorliegt) veröffentlichten Mute Hag basiert und auf den ersten Blick schon nach einem sehr unangenehmen Gegner ausschaut, zumal man ihm ja noch nach Belieben ein paar Will ‚o Wisps an die Seite stellen kann.

Ebenfalls als Halloween-tauglich durchgehen kann Black Shuck, eine Version des berühmten schwarzen Hundes von den Adventure-A-Week-Machern Will Myers und Jonathan Nelson. Wieder ein körperloser Untoter, diesmal mit HG 9.

Creighton Broadhurst ist der Chef von Raging Swan Press, ehemaliges Triade-Mitglied für die Living Greyhawk-Region Onnwall und Co-Author z.B. des Monster Manual V (3.5) oder auch des 4E-Abenteuers Madness at Gardmore Abbey. Hier stellt er uns vier Gelehrte vor, an die sich ratlose Spielercharaktere auf Informationssuche wenden können und die neben ihren jeweiligen Fachgebieten vor allem durch ihre ganz eigenen Persönlichkeiten bestechen. Auch reden wir hier nicht von Elminster-gleichen Typen, sondern von recht niedrigstufigen Charakteren, was zum einem ihrem Wissen gewisse Grenzen setzen dürfte, vor allem aber zuverlässig verhindert, dass sie den SC das Rampenlicht stehlen. Ist hier natürlich mehr Fluff als Crunch, aber gerade das macht mir den Artikel so liebenswert.

Mike Welham ist als Paizo Superstar Contest-Gewinner von 2012 bekannt geworden. Mit More Vorawurms setzt er den in der Ausgabe 18 veröffentlichten Artikel um die gefräßigen Würmer mit speziellen Vorlieben fort. Die aktuelle Ausgabe enthält den Stonewurm (HG 9), der sich in erster Linie von Stein ernährt und damit eine Gefahr für jedes entsprechende Bauwerk ist. Fieserweise verfügt er aber auch über ein Gift, mit dem er Angreifer in Stein verwandeln kann, wodurch auch Lebewesen potentielle Opfer darstellen können. Der Runewurm (HG 14) kommt auf den ersten blick zwar als deutlich ungefährlicher daher, könnte aber vor allem Zauberwirkern und Barden ziemlich auf die Nerven fallen, da er sich von geschriebenen Wörtern ernährt, nebenbei aber auch das Wissen und die Intelligenz anwesender Opfer nicht verschmäht.

Nochmal Will Myers versorgt uns in Black Magic mit einigen neuen Zauber rund um die Farbe Schwarz (es handelt sich hier also nicht um Schwarze Magie im landläufigen Sinne). Um ein Beispiel zu nennen teleportiert der Zauber „Back in Black“ den Zauberwirker in die dunkelste Ecke innerhalb der Zauberreichweite und verleiht ihm bis zum Ende der Runde volle Tarnung. Sympathisch wird mir der Artikel allerdings vor allem dadurch, dass er einiges über den Musikgeschmack von Will Myers zu verraten scheint, denn spätestens nach Zaubernamen wie „Black Sabbath“, Black or White“ und „Black Magic Woman“ fängt man auch bei den anderen an zu überlegen, zu welchem Song sie gehören.

Beim nächsten Artikel hats mich schon beim Titel geschüttelt. Dass die Metagame Artifacts von Paizo selbst eingeführt wurden, hat mich sogar ein bisschen entsetzt. Ich bin also sehr voreingenommen an Will McCardells Eintrag herangegangen und fühle mich im Nachhinein auch so halbwegs bestätigt. Das Ziel dieser Artefakte ist es, gerade die Momente wieder ins Spiel zu integrieren, in denen die Spieler gerne mal aus der Rolle gehen, weil es sonst auf Dauer zu langweilig würde oder es auch einfach schwierig ist, Spielerwissen von dem des Charakters zu trennen. Am harmlosesten finde ich dabei den Artificer’s Friend, ein Artefakt, in das man Gold reinwirft und das die für Handwerkskunst notwendigen Materialien wieder herausgibt. Im Prinzip also ein magischer Gegenstand, der etwas erschafft, wenn die notwendigen Materialien (hier: Gold, Juwelen etc.) vorhanden sind. Dann wird’s aber gruselig. Das Birthmark of Perfect Normality erlaubt es dem Spieler, ein exotisches Volk für seinen Charakter zu wählen, der aber trotzdem genauso wie ein Mensch behandelt werden wird. Ich hab gehört, dass diese Geburtsmale neuerdings unter Drow ganz groß in Mode gekommen sind. Auch die Shards of Displaced Monster knowledge finden mein Missfallen, da damit den Spielern das Wissen über ihre Gegner (das ihre Charaktere eigentlich gar nicht besitzen dürften) einfach so schenkt. Der Spellfinder wiederum erklärt, wie der Charakter an das Wissen über Zauber herankommt, die er nach einem Stufenaufstieg aus heiterem Himmel plötzlich besitzt. Und die Statuette of Paraphernalia Inquiry löst das Problem der Identifikation magischer Gegenstände. Man fragt halt einfach den Gnom (so sieht die Statuette aus).

Kurz: Metaspielerische Artefakte lösen ein Problem, das man nur dann hat, wenn man sie benutzt, nämlich Dinge zu erklären, die man gar nicht erklären muss, weil sie außerhalb der Spieltischhandlung stattfinden. Oder sie erlauben es dem Spieler, Wahlen bei der Charakterentstehung zu treffen, die er dann dank der Gegenstände einfach ignorieren kann. Da waren mir ja sogar die Todesritter in WoW lieber, da durften die Einwohner Sturmwinds wenigstens Obst nach ihnen schmeißen.

Schnell zum nächsten Beitrag: Thomas LeBlanc stellt uns in Crossbows Reloaded ein paar neue Armbrust-Optionen vor. Da gibt es die Schleuderstein-Armbrust, mit der man anstatt Bolzen eben mit Schleudersteinen schießen kann. Der Chu Ko Nu ist eine Art Repetierarmbrust, mit der man (abhängig vom GE-Modifikator) mehrere Bolzen pro Runde verschießen kann. Dann gibt’s noch die Scheibenarmbrust, die Chakramähnliche Metallscheiben verschießt, die Mächtige Armbrust, also eine Armbrust in Übergröße. Für die Belted Repeating Heavy Crossbow stand vermutlich ein Maschinengewehr Pate. Dazu gibt’s dann noch eine die Gegenstandsqualität Compound, mit der man Komposit-Armbrüste herstellen kann. Und zwei neue Talente: Die Fähigkeit des Stachelschweins erlaubt den effektiveren Einsatz eines Chu Ko Nu, und mit der Armbrust des Riesen, mit der man noch größere Armbrüste als die Mächtige Armbrust verwenden kann.

Das Interview dieser Ausgabe wurde mit Ryan Costello jr. geführt, der die üblichen 20 Fragen über seinen Werdegang beantwortet und seine Meinung über bestimmte Aspekte der 3PP-Industrie zum besten geben darf. Ich finde das immer sehr interessant (in diesem Fall besonders, weil ich noch gar nicht mitbekommen hatte, dass der beliebte Web-Comic Looking For Group im Moment gerade in ein Rollenspiel konvertiert wird), weil es einem einfach eine schöne Möglichkeit gibt, mal in die Köpfe der Designer zu schauen.

Rezensionen zu rezensieren, speziell wenn man die zugrundeliegenden Produkte gar nicht kennt, wäre wohl ein bissl zu viel des Guten: Ich belasse es daher bei dem Hinweis, dass ich in den Fällen, wo ich den Vergleich habe, recht oft mit dem Rezensenten, Thilo „Endzeitgeist“ Graf, einer Meinung bin. Zudem sind seine Rezensionen sehr ausführlich, geben also einen völlig ausreichenden Einblick in den Inhalt der besprochenen Produkte. Die Endbewertungen halte ich persönlich für etwas zu hoch gegriffen, aber in Zeiten, da 3 von 5 vergebenen Punkte allzuoft als „Schrott“ übersetzt werden, ist es inzwischen wohl gang und gäbe, guten Produkten mindestens 4 von Punkten zu geben.

Besprochen werden jedenfalls:

Raging Swan Press – Dungeon Dressing: Altars (5/5), eine 13-seitige Spielhilfe (6 Seiten eigentlicher Inhalt, Kosten: 1,99 $) rund um das Thema Altäre.

Rite Publishing – Adventure Quarterly #2 (4/5), ein 90-seitiges Magazin (9,99 $) analog zum alten Dungeon, dass je ein niedrig-,mittel- und hochstufiges Abenteuer enthält

Alluria Publishing – Cerulean Seas: Waves of Thought (5/5), die lange ersehnte Fortsetzung des Cerulean Seas Campaign Setting (CSCS), die, wenn sie nur halb so gut wäre wie der Vorgänger, schon jeden der 1495 Cents wert wäre, die man für die 98 Seiten berappen muss. Vorausgesetzt, man mag Psionik, denn im Grunde handelt es sich hier um die Einbindung der Psionikerregeln von Dreamscarred Press in das CSCS. Für mich ein absoluter Pflichtkauf (und nein, ich hab noch nicht reingeschaut, also nehmt das mit ner Prise Salz ^^).

Rite Publishing – 101 Special Materials and Power Components (5/5), mit 5,99 $ für 27 Seiten ein vergleichsweise teures Produkt, Thilo Graf dennoch 5 von 5 Punkten wert. Die speziellen Materialien muss ich wohl nicht erklären, die Machtkomponenten sind Materialien, die man zum Zaubern einsetzen kann und die den Sprüchen ein bissl Extrapower verleihen.

Adventureaweek – C1: Algoran’s Gem (5/5, 4$) ist ein 48-seitiges Abenteuer, das erste aus der C-Reihe, die dem Old-School-Gedanken verhaftet sind. Habe es selber gerade erworben und werde es auch rezensieren, also lass ich die 5/5 Punkte für den Moment einfach mal so stehen.

Rite Publishing – #30 Cursed Treasures (4/5, 23 Seiten, 3,99$) enthält besagte 30 verfluchte Gegenstände, die der Spielleiter sicherlich schöner findet als die Spieler, denen er sie antut.

Insgesamt eine schöne Ausgabe, ich finde es nur schade, dass ich mir das Zeug nicht alles leisten kann. Vielleicht sollte ich mich Rite Publishing auch mal als Rezensent andienen xD.

No comments yet

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: