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Fans sind manchmal solche Idioten

25. Januar 2013
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Heute ist „Von den Elben“, das neue Album einer meiner Lieblingsbands, nämlich Faun, erschienen. Die Mitbegründer (und Namensgeber) des sogenannten Pagan Folk haben dabei allerdings ein paar unverzeihliche Fehler begangen, die die Hardcore (kann man das Wort für Faun-Anhänger eigentlich benutzen?) – Fans prompt total auf die Palme treibt.

Da wäre zum einen, dass sie einen Vertrag bei einem Major Label unterschrieben haben, was allein ja schon gar nichts anderes als die Hinwendung zum Kommerz bedeuten kann. Dann haben sie auf ihrer neuen Scheibe (neben einer Zusammenarbeit mit Subway to Sally) auch noch ein gemeinsames Lied mit den Shanty-Opas von Santiano aufgenommen. Die Krone setzt dem Ganzen aber auf, dass sie inzwischen auch als Musik-Tip auf Sat 1 zu sehen sind, das geht ja mal gar nicht.

So der gemeine IdiotFan, der dabei völlig übersieht, dass Santiano (Kommerz hin oder her) durchaus ihr Handwerk verstehen (wie jeder Wacken-Besucher letztes jahr feststellen konnte) und ebenso gekonnt ignoriert, dass die Single-Auskopplung „Diese kalte Nacht“ mitnichten eine Abkehr von früherem Faun-tun darstellt, sondern genau so auf eigentlich jeder der alten Alben hätte veröffentlicht werden können und ähnliche Lieder dort tatsächlich zu entdecken sind.

Aber so ist das. Statt sich zu freuen, wenn die plötzliche Popularität einer Band neue Fanschichten erschließt, wendet sich der FanIdiot schaudernd ab und schreit „Kommerz, Kommerz!“. Passierte schon den ganz Großen wie REM, Metallica und Nirvana (Mozart hat das wahrscheinlich auch schon zu hören bekommen^^). Wäre ja auch noch schöner, wenn Populäre Musik gleichzeitig auch noch gut wäre, da käme einem a) das Feindbild abhanden und könnte man sich b) gar nicht mehr so elitär fühlen wie bisher.

Ich würde ja gerne weiterranten, aber da mich dabei das ungute Gefühl beschleicht, dass mir dieses Fan-Verhalten nicht ganz fremd ist (4E, ich schau auf dich), schone ich lieber die Glasscheiben und lass die Steine liegen. Obwohl meine Argumente seinerzeits natürlich viel stichhaltiger waren, aber dass denken die Faun-Enttäuschten von sich sicher auch.

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5 Kommentare leave one →
  1. 26. Januar 2013 09:34

    Oh, inzwischen zum 4e Konvertiten geworden?

  2. 26. Januar 2013 10:22

    Na ja. Mit dem kommerziellen Erfolg geht ja meist einher, dass sich das kommerzialisierte Gut an den allgemeinen Geschmack anpasst, anstelle dass die Allgemeinheit nun bessere Musik hört. Von daher geht die Rechnung nur selten auf, leider.

  3. 26. Januar 2013 11:35

    @ubiHEX: das nun nicht gerade, es ist eher so, dass ich mich insgesamt ein Stück weit von D&D entfernt habe, also (hoffentlich) ein Stück weit an Neutralität gewonnen habe. da gehört dann halt auch dazu, sich selbst einzugestehen, wo man in der Kritik über das Ziel hinausgeschossen ist.

    @Jan: Nuja, zum einen teile ich nicht die These, dass Popularität und Qualität sich zwingend ausschließen. Klar gibt es reine Kommerzprojekte. aber oft ist es auch einfach so, dass sich der Geschmack ändert und daher plötzlich Dinge populär werden, die vorher eher ein Schattendasein geführt haben.

    Zum anderen muss man auch sehen, dass ich ja keinen Vergleich zwischen Hoch- und Unterhaltungskultur anstelle. Gerade in der Mittelalterszene geht es musikalisch vor allem um letzteres, das war auch bei Faun nie anders. Die hatten schon immer eingängige Sachen im Programm, und wenn sie jetzt dank der medialen Unterstützung ein breiteres Publikum erreichen, hat das nichts mit einer Änderung des musikalischen Anspruchs zu tun. Zumal die Neuhörer dadurch auch in Kontakt mit dem alten Material kommen.

    Mich nervt halt einfach dieser Reflex einer eingebildeten Möchtegernelite, die das, was sie für gut hält, nicht mit der Allgemeinheit teilen möchte. Das hat es mich übrigens auch schon zu Zeiten des Edition War. Der 4E wurde ja auch allzuoft ein Strick draus gedreht, dass sie versucht haben, neue Käuferschichten (und damit neue Mitspieler) zu erschließen. An der Art, wie sie das umgesetzt haben, hab ich durchaus auch Kritik geübt. Aber den Versuch an sich zu kritisieren, hielt und halte ich für extrem engstirnig.

  4. 26. Januar 2013 13:27

    Hmm, ich war auch erstaunt, Faun-Werbung zur besten Sendezeit zu sehen. Sei es ihnen gegönnt … Eine Zusammenarbeit mit Santiano … Das ist aber in der Tat mal ungewöhnlich, da höre ich rein, singen können die nämlich in der Tat.

  5. 28. Januar 2013 08:32

    Ich habe auch nie behauptet, dass Kommerz und Qualität sich ausschießen. Das kann man prima kombinieren, aber es passiert einfach selten. Die meisten Bands,… verändern sich hin zum Mainstream, wenn sie bekannt werden und verlassen dabei ihre alte Fanbasis. Daher kann ich den Ärger durchaus verstehen, aber kein Grund ein Riesenfass aufzumachen. Man muss den Leuten ja auch gönnen, dass sie von dem Ding, dass sie machen leben können.

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